Telefonkonferenz im Kofferaum

Telefonkonferenz im Kofferraum

 

Es geschah an einem Donnerstag, am Nachmittag, in der östlichen Türkei. Rokala (mein Wagen) verfügt über eine Reihe von Bordinstrumenten die einem zeigen, wie es um den Funktionszustand überlebenswichtiger Teile bestellt ist, sofern man denn draufschaut. Mit letzterem ist das so eine Sache, freue mich eher an den vielen Instrumenten die da blinken denn an dem, was sie zeigen. Und so war denn die Kabinenbatterie fast völlig entladen bis ich es merkte und als ich es merkte, merkte ich primär, dass ich es vorher hätte merken müssen da ich jetzt, ein wenig zu spät, alle die schönen Stromverbraucher, den Kühlschrank mit dem kalten Bier, den Boiler mit dem warmen Wasser und das Licht zum Lesen ausschalten durfte; ich verspreche es, ich werde es mir merken.

Guter Rat ist teuer, insbesondere wenn man von der Medizin wenig und von der Technik gar nichts versteht und in dem tiefen Glauben lebt, es werde schon alles gut gehen. Glauben versetzt Berge aber so sehr ich auch glaubte, die Batterie blieb leer.

Die Stimme am Telefon, die aus Deutschland kam und Michael Bocklet gehörte, war klar und deutlich zu verstehen, weniger deutlich war eher das, was er mir beizubringen versuchte. Es sei nur das Trennrelais das, wenn es funktioniert, dafür sorgt, dass mein Kühlschrank sich nicht an der Starterbatterie des Wagens vergreift; dieses Relais müsse nun kurzgeschlossen werden, dann könne sich mein Kühlschrank zwar an der Starterbatterie vergreifen aber es werde wieder Licht.

Entfernen Sie doch einmal einen Blinddarm auf dem Küchentisch; klar geht das, hat man zu Urzeiten der Medizin auch so gemacht, aber ein Trennrelais, von dem man noch nicht einmal weiß wo es sitzt, geschweige denn wie man daran einen Kurzschluss produziert, das schien doch eine größere Herausforderung.

Die Geduld von Michael Bocklet ist endlos und um das Ganze bildlich zu sehen, ist etwas Phantasie von Nöten. Der Kofferraum misst ca. 1 x 1 x 1 Meter, da passe ich hinein, wie ich inzwischen weiß, etwas gekauert und verkrümmt, das Telefon in der Linken, den Schraubenschlüssel in der Rechten. Habe schon viele Telefonkonferenzen miterlebt, aber diese im Kofferraum war wirklich das Salz in der Suppe dieses Tages. Mein linkes Bein ist eingeschlafen, der Rundrücken noch etwas runder aber es grenzt an ein Wunder, es hat funktioniert: die Weiterreise ist gesichert, mein Bier wird wieder kalt.