Indienreise 2

Vorspann & Reiseroute

Zum dritten Mal die gleiche Strecke, eigentlich müsste es langweilig sein; ist es aber nicht, im Gegenteil! Die Landschaft ist so vielfältig, so völlig unterschiedlich, von den Pinienwäldern der türkischen Südküste hinauf in die völlig kargen, baumlosen Weiten Ostanatoliens mit dem endlosen Himmel, den sich im Herbst türmenden Wolken. Kalt ist es hier oben,; die Strasse durch die östliche Türkei und den gesamten Westen des Irans verläuft auf 2000 Metern Höhe, mal etwas darunter, mal bis 2600 Meter ansteigend. Und dann plötzlich Wüste, Gebirgswüste in einer ungeahnten Farbenpracht (westlicher Iran) und die endlose Weite der Wüste Lut, an deren Grenze entlang sich die Strasse nach Pakistan streckt; einige Hundert Kilometer geradeaus, man muss schon aufpassen, nicht am Steuer einzuschlafen. Belutschistan, 1000 km entlang der afghanischen Grenze, nicht so ganz ungefährlich, diese Ecke, aber einer meiner "Traumstrassen der Welt". Gelber Sand an schwarzen Stein angeweht, Dünenfelder, verlassene Karawansereien der alten Seidenstrasse, graue Kiesebenen, Fata Morganen, wer sich hier langweilt, dem ist, glaube ich, nicht mehr zu helfen. Quetta, die Hauptstadt Belutschistans, hinaufauf und über den Bolan Pass, hinunter ins Fünfstromland, durch die pakistanische Provinz Sindh, einen Schlenker nach Norden, noch einmal rechts, nach Osten abgebogen und schon ist man da, in Indien.

 

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In Indien bin ich wieder, die Karte rechts zeigt meinen Weg hinunter bis zum südlichsten Punkt des Subkontinents, Kanyakumari, wo sich der Golf von Bengalen, der indische Ozean und das arabische Meer vereinen. Ich habe "mein Indien" gefunden, an der Ostküste in Tamil Nadu, Andhra Pradesh, in Orissa und nicht, wie die Meisten, in Rajasthan oder Goa. In "meinem Indien" bin ich in Indien, tief drin, keine Touristen, keine großen Städte aber endlose Palmenhaine, Bananenplantagen, sattgrüne Reisfelder unterbrochen vom Weiss der Salzfelder, ursprüngliche Dörfer, Fischerstädtchen und die ärmste aber wohl liebenswürdigste Bevölkerung, die man sich vorstellen kann. Die riesigen Tempelstädte Tamil Nadus gehören mit zu den eindruckvollsten Monumenten, die es in Indien zu bestaunen gibt. Aber heilige Orte gibt es viele in Süd- und Ostindien, man braucht nur den Pilgerströmen zu folgen, Rameshwaram, Tiruchendur und wie sie alle heissen, eine touristische Infrastruktur gibt es nicht, aber zu bestaunen, zu hören, zu sehen, zu schnuppern gibt es viel. Ich gehöre nicht zu denen, die permanent nach sich selbst suchen, aber in dieser Ecke der Welt kann man schon einiges über sich selbst lernen.

Auf der Strecke geblieben sind die Reiseberichte, die ich bisher mit Begeisterung schrieb. Aber es ist immer wieder ähnlich, eigentlich eine permanente Wiederholung dessen, was ich gerade zu Papier gebracht hatte. Während der ersten Reise war so vieles fremd, unverständlich, nicht einordnenbar, spannend oder manchmal beängstigend. Jetzt ist es mein Leben hier in Indien, Alltag, und plötzlich gibt es Dinge zu sehen, an denen man bisher vorbeigefahren war: Indien. So finden Sie, links im Hauptmenu, denn noch einen Bericht über die Anreise (7), sozusagen einen Übergangsbericht, schon in anderer Form (8) und einen Abschiedsgesang (9). Wie's dann weitergeht, wird in Bericht 9 verraten.
(Die Farbtupfen im Bild rechts beziehen sich auf Essays, für die in Indien recherchiert wurde. Rot: "red corridor of armed struggle").